So wird die Geldpolitik umgesetzt

Um in unserem Land Preisstabilität zu gewährleisten, kann die Nationalbank verschiedene Instrumente einsetzen. Mit ihnen führt sie die Geldpolitik – eine komplexe Aufgabe, die mit vielen Unsicherheiten behaftet ist. Die Nationalbank muss ihre Geldpolitik immer wieder der wirtschaftlichen und monetären Lage anpassen. Sie muss manchmal auch neue Wege beschreiten, vor allem wenn die herkömmlichen Instrumente an ihre Grenzen stossen.

Die geldpolitischen Instrumente der Nationalbank


  • Aufmacher 01

    Die Nationalbank verwendet verschiedene liquiditätszuführende und -abschöpfende Instrumente, um ihre Geldpolitik umzusetzen.

  • Aufmacher 02

    Mit liquiditätszuführenden Geschäften stellt die Nationalbank dem Bankensystem mehr Liquidität zur Verfügung.

  • Aufmacher 03

    Mit liquiditätsabschöpfenden Geschäften reduziert die Nationalbank die Liquidität im Bankensystem.

Umsetzung der Geldpolitik


Umsetzung der Geldpolitik Die Nationalbank setzt die Geldpolitik vor allem über den SNB-Leitzins um.

Die Nationalbank setzt ihre Geldpolitik um, indem sie den SNB-Leitzins festlegt. Dabei strebt die Nationalbank an, die besicherten kurzfristigen Geldmarktsätze in Franken nahe am SNB-Leitzins zu halten. Der aussagekräftigste dieser Geldmarktsätze ist der SARON.

Neben der Steuerung der Zinsen über den SNB-Leitzins hat die Zentralbank auch andere Möglichkeiten, die Geldpolitik umzusetzen. Sie kann insbesondere bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv sein, also Franken gegen Fremdwährung verkaufen oder kaufen.

Das Repogeschäft

Ein wichtiges Instrument der Nationalbank zur Umsetzung der Geldpolitik ist das Repogeschäft. Bei einem Repogeschäft kauft der Geldgeber vom Geldnehmer Wertpapiere. Der Betrag wird auf dem Girokonto des Geldnehmers gutgeschrieben. Gleichzeitig wird vereinbart, dass die Wertpapiere zu einem späteren Zeitpunkt durch den Geldnehmer wieder zurückgekauft werden. Der Geldnehmer erhält vom Geldgeber während der Laufzeit des Geschäfts somit einen kurzfristigen Frankenkredit, für den der Geldnehmer den Reposatz bezahlt. Der Geldgeber erhält Wertschriften als Sicherheit. Die Nationalbank kann als Geldnehmer und Geldgeber am Repomarkt auftreten. Nebst dem Repogeschäft verfügt die SNB über weitere Instrumente zur Umsetzung der Geldpolitik.

Zinsumfeld der Wirtschaft

Die Nationalbank legt fest, wie viel Geld sie den Banken zu welchem Preis – dem Reposatz – und wie lange zur Verfügung stellt, und steuert so das Zinsumfeld der Wirtschaft. Über den Umfang dieser Repogeschäfte bestimmt die Nationalbank, wie viel Geld die Banken von ihr erhalten. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Liquidität, welche die Nationalbank den Banken zur Verfügung stellt.

Warum der SARON dem SNB-Leitzins folgt


Wenn die Nationalbank den SNB-Leitzins verändert, passt sich der SARON dieser Bewegung an. Warum? Einzig die Nationalbank kann Liquidität in Franken steuern. Daher kann nur sie den Preis bzw. den Zins für diese Liquidität festlegen. Die Zinskonditionen geldpolitischer Instrumente orientieren sich am SNB-Leitzins. So werden gegenwärtig die Giroguthaben zum SNB-Leitzins verzinst. Bei der Umsetzung ihrer Geldpolitik stellt die Nationalbank dadurch sicher, dass die besicherten kurzfristigen Geldmarktsätze in der Nähe des SNB-Leitzinses liegen.

Die oben beschriebene Wirkung des SNB-Leitzinses bleibt nicht beim SARON stehen. Denn die Banken passen die Zinsen, die sie für ihre Kredite an Unternehmen und Privatpersonen – zum Beispiel für Hypotheken – verlangen, ebenfalls an.

Zur Illustration: Nationalbank hebt Zinsen an

Nehmen wir an, die Inflationsprognose der Nationalbank zeigt an, dass die Teuerungsrate deutlich steigen wird. Was ist zu tun? Um die Inflationsgefahren zu bekämpfen, strafft die Nationalbank ihre Geldpolitik. Sie gibt bekannt, dass sie den SNB-Leitzins anhebt. Die Banken passen in der Folge ihre Kreditzinsen nach oben an. Die Unternehmen und Haushalte wiederum nehmen weniger der teureren Kredite auf, was zu einer Drosselung der Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen führt. Die Unternehmen verlangsamen ihre Produktion. Da sie ihre Produkte nicht mehr so gut absetzen können wie zuvor, sehen sie von weiteren Preiserhöhungen ab.

Der Einfluss des Wechselkurses

Einen weiteren Effekt gibt es über den Wechselkurs: Wenn die Zinssätze höher sind, wertet sich der Franken auf. Dadurch werden die Importe billiger, was direkt eine dämpfende Wirkung auf die Teuerung hat. Dagegen werden die Exporte teurer, und die Nachfrage nach schweizerischen Gütern aus dem Ausland geht zurück, was indirekt eine dämpfende Wirkung auf die Teuerung hat. Damit hat die Nationalbank ihr Ziel erreicht: Die Inflationsgefahr ist gebannt.

Wenn Repos Liquidität abschöpfen


Mit Repogeschäften kann die Liquidität bei Banken nicht nur erhöht, sondern auch verringert werden. Solche liquiditätsabschöpfenden Repos funktionieren wie liquiditätszuführende Repos – einfach umgekehrt: Die Nationalbank verkauft einer Bank Wertpapiere zu einem bestimmten Preis. Gleichzeitig wird vereinbart, dass die Nationalbank diese Wertpapiere am Ende der Laufzeit zurückkauft – zu einem höheren Preis. Die Differenz zwischen dem Rückkauf- und dem Verkaufspreis ist der Zins, den die Nationalbank der Bank bezahlt – der Reposatz.

Wie die Nationalbank die Liquidität im Bankensystem reduziert

Über die Geldmengen


Die Notenbankgeldmenge M0 setzt sich aus dem Notenumlauf und den Sichtguthaben der inländischen Banken bei der Nationalbank, auch Giroguthaben genannt, zusammen. M1 umfasst das Geld, das jederzeit als Zahlungsmittel eingesetzt werden kann: das umlaufende Bargeld und die auf Franken lautenden Sichteinlagen bei den Banken. M2 besteht aus M1 sowie aus den Spareinlagen in Franken. M3 besteht aus der Geldmenge M2 und zusätzlich aus den Termineinlagen in Franken. Die Nationalbank kann nur die Notenbankgeldmenge direkt steuern, die anderen Geldmengen beeinflusst sie indirekt durch ihre Geldpolitik.

Bild: Keystone

Die Finanzkrise: Wie alles begann


Es begann im August 2007, als in den USA die Immobilienblase platzte. Mit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 kam es zu einer Finanzkrise, wie die Welt sie noch nie gesehen hatte.

Lehman Brothers
Bild: Keystone

Nationalbank reagierte rasch und umfassend


Wie andere Zentralbanken reagierte auch die Nationalbank rasch und umfassend: Sie senkte das Zielband für den Referenzzinssatz in mehreren Schritten und stellte dem Bankensystem reichlich Geld zur Verfügung. Gleichzeitig schnürte sie zusammen mit dem Bund ein Massnahmenpaket für die in Bedrängnis geratene UBS. Sie schuf dafür den sogenannten StabFund und gewährte diesem ein Darlehen. Der StabFund übernahm von der UBS Aktiven, für die es plötzlich keinen Markt mehr gab. So konnte die Bank ihre Finanzlage stabilisieren, wodurch auch der Schweizer Finanzplatz gestärkt wurde. Im Jahr 2013 konnte die Nationalbank das Kapitel StabFund erfolgreich abschliessen.

Konjunktureinbruch und Eurokrise: Was folgte


Die Finanzkrise führte zuerst zu einem weltweiten Konjunktureinbruch, 2010 brach die Schuldenkrise in der Eurozone aus. Die Nationalbank reagierte mit verschiedensten ausserordentlichen Massnahmen, insbesondere auf die Frankenstärke, die aufgrund der Eurokrise ein massives Ausmass annahm und deflationäre Risiken mit sich brachte. So senkte sie das Zielband bis an die Nullgrenze, schwemmte das Bankensystem mit Liquidität und kaufte Fremdwährungen gegen Franken. Am 6. September 2011 legte die Nationalbank einen Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro fest. Bis am 15. Januar 2015 stand der Mindestkurs im Zentrum der Umsetzung der Geldpolitik, die Nationalbank setzte ihn mit aller Konsequenz durch.

Auf absehbare Zeit: Keine Inflationsgefahren


Die Notenbankgeldmenge hat sich zwischen 2007 und 2018 mehr als verzehnfacht. Trotzdem zeigt die Inflationsprognose der Nationalbank auf absehbare Zeit keine Inflationsgefahren für die Schweiz an.

Inflationsprognose
Quellen: BFS, SNB

Wenn die Zinsen unter null gehen


Am 18. Dezember 2014 kündigte die Nationalbank Negativzinsen an. Damit sollten Frankenanlagen weniger attraktiv gemacht und so der Mindestkurs unterstützt werden. Am 15. Januar 2015 hob die Nationalbank den Mindestkurs auf. Um einer unangemessenen Straffung der Geldpolitik entgegenzuwirken, senkte sie gleichzeitig die Zinsen noch deutlicher in den negativen Bereich und erklärte, dass sie bei Bedarf auch künftig am Devisenmarkt aktiv bleibt.

Zinssteuerung in verändertem Umfeld

Der Zins auf Sichteinlagen bei der Nationalbank beträgt seither −0,75% und liegt somit beim SNB-Leitzins. Die Einführung von Negativzinsen hatte grundsätzlich dieselbe Wirkung wie eine Zinssenkung im positiven Bereich. Die meisten Zinsen in der Schweiz sanken auf breiter Front.

Wenn die Zinsdifferenz zu klein ist

Damit hat die Nationalbank dafür gesorgt, dass das Zinsniveau in der Schweiz wieder tiefer ist als in anderen Ländern. Denn wenn die Zinsen zum Beispiel in der Eurozone sinken, aber der Frankenzins bei null verharrt, verkleinert sich die Zinsdifferenz zwischen dem Franken und dem üblicherweise höher verzinsten Euro. Als Folge davon werden Frankenanlagen im Vergleich zu Anlagen in Euro attraktiver. Das erhöht die Nachfrage nach Franken, und er wertet sich auf.

Negativzinsen weiten Zinsdifferenz aus

Die Negativzinsen helfen, die Zinsdifferenz zu anderen Währungen wieder auszuweiten. Wenn Anlagen in Franken weniger Zinsen abwerfen als in anderen Währungen, sind sie weniger attraktiv. Negativzinsen dienen deshalb dazu, die Nachfrage nach Franken zu reduzieren, und sollten zu einer Abschwächung des Frankens beitragen.

Hohe Notenbankgeldmenge heisst grosse Bilanz


Die Zunahme der Notenbankgeldmenge widerspiegelt sich auch in der Bilanz der Nationalbank. Betrug die Bilanzsumme vor der Finanzkrise noch ungefähr 100 Mrd. Franken, belief sie sich Ende 2016 auf 747 Mrd. Franken. Das birgt Risiken für die Jahresrechnung der Nationalbank, da das Ergebnis aufgrund von Wechselkursbewegungen stark schwanken kann. Das haben die vergangenen Jahre deutlich gezeigt. Doch steht die Bilanz der Nationalbank ganz im Dienst der Geldpolitik. Deren heutige Grösse ist das Ergebnis der geldpolitischen Massnahmen, die notwendig sind, um Preisstabilität zu gewährleisten.