Das ist die Nationalbank

Die Schweizerische Nationalbank ist ein Unternehmen mit vielen Besonderheiten: eine Aktiengesellschaft mit öffentlichem Auftrag; unabhängig bei der Erfüllung dieses Auftrags, jedoch unter Mitwirkung und Aufsicht des Bundes verwaltet; eine Bank, aber nur für ganz spezielle Kunden. Die Nationalbank ist eine Institution, die es wert ist, sie etwas besser kennenzulernen.

Wer bei der Nationalbank was zu sagen hat


  • Aufmacher 01

    Die Nationalbank führt als unabhängige Zentralbank die Geldpolitik im Gesamtinteresse der Schweiz. Das ist ihr Auftrag. Zuständig für die Geldpolitik ist allein das Direktorium, das aus einem Präsidenten, einem Vizepräsidenten und einem drittem Mitglied besteht.

  • Aufmacher 02

    Die Geldpolitik hat einen grossen Einfluss auf die Schweizer Wirtschaft. Daher werden immer wieder verschiedenste Forderungen an die Nationalbank gerichtet.

  • Aufmacher 03

    Die Nationalbank nimmt diese Forderungen und Diskussionsbeiträge ernst. Sie trifft ihre Entscheidungen jedoch unabhängig, was zentral ist für die Erfüllung ihres Auftrags.

  • Aufmacher 04

    Die Unabhängigkeit ist klar mit dem Auftrag der Nationalbank verknüpft, der in Bundesverfassung und Nationalbankgesetz verankert ist.

  • Aufmacher 05

    Gegenüber dem Parlament und der Öffentlichkeit legt die Nationalbank regelmässig Rechenschaft darüber ab, wie sie ihren Auftrag erfüllt.

  • Aufmacher 06

    Auch wird sie genau beobachtet: Der Bundesrat hat eine Mitwirkungs- und Aufsichtsfunktion, der Bankrat überwacht die Geschäftsführung im Hinblick auf die Einhaltung des Gesetzes.

  • Aufmacher 07

    Und die Aktionäre – vor allem Kantone und Kantonalbanken – haben ebenfalls mitzureden. Ihre Rechte und Befugnisse gehen allerdings weniger weit als bei anderen Aktiengesellschaften.

Was macht die Nationalbank?


Der gesetzliche Auftrag der Nationalbank ist die Gewährleistung der Preisstabilität unter Berücksichtigung der Konjunktur. Im Rahmen dieses Auftrags engagiert sie sich sehr vielseitig – in der Schweiz und auf internationaler Ebene.
Aufgaben der SNB

Das höchste Ziel der Nationalbank ist Preisstabilität – wobei sie der konjunkturellen Entwicklung Rechnung trägt –, ihre wichtigste Aufgabe das Führen der Geldpolitik in der Schweiz. So ist es gesetzlich vorgeschrieben. Das heisst, die Nationalbank kümmert sich darum, dass das Geld seinen Wert behält und sich die Volkswirtschaft angemessen entwickelt.

Banknoten, Zahlungsverkehr, Finanzsystem

Weitere wichtige Aufgaben der Nationalbank sind die Ausgabe von Banknoten und Münzen sowie das Sicherstellen des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Die Nationalbank wirkt zudem als Bank des Bundes, indem sie für die Eidgenossenschaft Zahlungen abwickelt, Anleihen ausgibt und Wertpapiere verwaltet. Und schliesslich ist die Nationalbank für die Stabilität des schweizerischen Finanzsystems mitverantwortlich. Sie arbeitet dabei mit dem Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD) und der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) zusammen.

Internationale Zusammenarbeit

Die Nationalbank ist aber nicht nur in der Schweiz tätig, sondern arbeitet – meist zusammen mit den Bundesbehörden – in verschiedenen internationalen Organisationen mit: im Internationalen Währungsfonds (IWF), im Financial Stability Board (FSB), in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

Ein einzigartiges Unternehmen


Die Nationalbank ist in vielem ein Unternehmen wie andere auch. Doch einige Merkmale machen sie speziell. Da wäre zum Beispiel das gesetzlich verankerte Notenmonopol: Es berechtigt die Nationalbank als einzige Institution in der Schweiz dazu, Banknoten herauszugeben – deshalb nennt man sie auch «Notenbank». Oder «Zentralbank», weil sie als einzige, zentrale Stelle die Geldversorgung des Landes steuert. Eine weitere Eigenheit der Nationalbank ist die Rechtsform: Sie ist eine «spezialgesetzliche Aktiengesellschaft». Ihre Aktien werden an der Börse gehandelt. Jedoch sind die Organisation, die Aufsicht oder auch die Rechte der Aktionäre der Nationalbank in einem speziellen Gesetz geregelt: im Nationalbankgesetz.

Die Bank der Banken

Die Nationalbank ist die Bank des Bundes und gleichzeitig die Bank der Banken: Das heisst, ihre Geschäftsbeziehungen unterhält sie in erster Linie mit den Banken in der Schweiz sowie mit anderen Finanzmarktteilnehmern. Für Privatpersonen und andere Unternehmen erbringt sie keine Bankdienstleistungen.

Das Direktorium der Nationalbank


Das oberste geschäftsleitende und ausführende Organ der Nationalbank ist das Direktorium. Es besteht aus einem Präsidenten, einem Vizepräsidenten und einem dritten Mitglied. Das Direktorium ist alleine zuständig für die Geld- und Währungspolitik.

Das Direktorium der Nationalbank

Der Bankrat – kein Verwaltungsrat


Der Bankrat ist das Aufsichtsgremium der Nationalbank: Er beaufsichtigt und kontrolliert, ob die Geschäfte korrekt geführt werden, und legt die Organisation der Bank in ihren Grundzügen fest. Er genehmigt das Budget und die Höhe der Rückstellungen für Währungsreserven, beurteilt das Risikomanagement und den Anlageprozess und entscheidet über die Gestaltung der Banknoten. Jedoch ist der Bankrat nicht wie der Verwaltungsrat einer normalen Aktiengesellschaft. So hat er keinerlei Mitsprache bei der Geldpolitik, dafür ist allein das Direktorium zuständig. Zudem wird die Geschäftsführung der Nationalbank, das Erweiterte Direktorium, nicht vom Bankrat gewählt, sondern vom Bundesrat – der Bankrat stellt dem Bundesrat aber den Antrag für die Wahl.

Bild: Keystone

Rendez-vous von Politik und Wirtschaft


Jeweils im April findet die Generalversammlung (GV) der Nationalbank in Bern statt. Dort treffen sich Direktorium und Bankrat mit den Aktionären sowie mit Vertretern der Wirtschaft. Geleitet wird die GV vom Präsidenten des Bankrats.

Die Rolle der Aktionäre


Die Mehrheit der Aktien der Nationalbank ist in den Händen der Kantone und Kantonalbanken, doch auch Private und Unternehmen können Nationalbank-Aktien halten. Die Rechte der Aktionäre sind eingeschränkt, weil die Nationalbank spezielle Aufgaben hat. So ist das Stimmrecht privater Aktionäre auf 100 Stimmen beschränkt und die Dividende auf höchstens 15 Franken pro Aktie begrenzt. Weiter müssen Jahresbericht und Jahresrechnung vom Bundesrat genehmigt werden, bevor sie der GV vorgelegt werden. Trotz all dieser Beschränkungen kommt den Aktionären der Nationalbank eine wichtige Symbolfunktion zu: Sie zeigen, dass die Nationalbank in der Bevölkerung verankert ist, und sind Ausdruck der Unabhängigkeit der Nationalbank.

Die Nationalbank ist unabhängig


Die Nationalbank führt die Geldpolitik als unabhängige Zentralbank im Gesamtinteresse der Schweiz. So darf sie keinerlei Weisungen für ihre Geldpolitik entgegennehmen und dem Bund keine Kredite gewähren.
Die Nationalbank ist unabhängig

Bei allen geldpolitischen Entscheiden muss sich die Nationalbank das Gesamtinteresse des Landes vor Augen halten. Das steht in der Verfassung. Die Nationalbank darf sich also von keiner Seite – weder vom Staat oder einem Wirtschaftszweig noch von einer Partei oder den Medien – beeinflussen lassen oder Weisungen annehmen. Geldpolitische Entscheide trifft einzig und allein das Direktorium.

Bedeutung der Unabhängigkeit

Doch warum ist diese Unabhängigkeit so wichtig? Eine unabhängige Zentralbank ist in schwierigen Zeiten besser in der Lage, unpopuläre Entscheide zu treffen. Unpopulär, weil sie kurzfristig vielleicht schmerzen, auf die mittlere und lange Frist jedoch für die Volkswirtschaft besser sind. Eine unabhängige Nationalbank hat daher viel bessere Chancen, die Preisstabilität zu gewährleisten und ihren Beitrag zu einer gesunden Entwicklung der Volkswirtschaft zu leisten. Diese Regel ist in den meisten Ländern anerkannt: Nur die Unabhängigkeit erlaubt es der Zentralbank, ihren Auftrag gut zu erfüllen.

Unabhängig, aber zur Rechenschaft verpflichtet

Schalten und walten, wie sie möchte, kann die Nationalbank jedoch nicht. Denn erstens bezieht sich ihre Unabhängigkeit nur auf die Erfüllung ihres öffentlichen Auftrags. Zweitens ist sie verpflichtet, gegenüber dem Parlament und der Öffentlichkeit regelmässig Rechenschaft darüber abzulegen, wie sie ihre Aufgaben erfüllt. Zudem tauscht sich die Nationalbank mit dem Bundesrat regelmässig über die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung aus.

Hier ist die Nationalbank zu Hause


Die Nationalbank ist in Bern und Zürich zu Hause. Sie ist zudem mit ihren Delegierten in den Schweizer Regionen vertreten und hat seit 2013 auch eine Niederlassung in Singapur.
Hier ist die Nationalbank zu Hause
Bild: Keystone

Die Nationalbank hat seit ihrer Gründung vor mehr als 100 Jahren je einen Sitz in der Hauptstadt Bern und im Finanzzentrum Zürich. Sie ist in drei Departemente gegliedert. Das I. Departement ist für die Vorbereitung der geldpolitischen Entscheide verantwortlich. Das II. Departement ist für die Ausgabe der Banknoten sowie für die Finanzstabilität zuständig. Das III. Departement setzt die Geldpolitik an den Finanzmärkten um. Das I. und III. Departement befinden sich hauptsächlich in Zürich, das II. Departement ist mehrheitlich in Bern angesiedelt. Für die Geschäftsleitung der Nationalbank ist das Direktorium zuständig: Jedes der drei Mitglieder führt zusammen mit seinem Stellvertreter eines der drei Departemente.

Pulsmesser und Botschafter

Um den Informationsaustausch zwischen der Wirtschaft, der Öffentlichkeit und der Nationalbank zu fördern, unterhält die Nationalbank nebst ihren Sitzen in Bern und Zürich Vertretungen in Basel, Genf, St. Gallen, Lugano, Lausanne und Luzern. Acht Delegierte für regionale Wirtschaftskontakte sind für ihre jeweilige Region zuständig. Sie fungieren als eine Art Pulsmesser, die mit regelmässigen Umfragen Informationen zum Geschäftsgang der Unternehmen sammeln. Sie wirken aber auch als Botschafter der Nationalbank in ihrer Region und informieren über die Geld- und Währungspolitik der Nationalbank.

Was macht die Nationalbank in Singapur?

2013 eröffnete die Nationalbank eine Niederlassung in Singapur, die erste im Ausland. Weniger als zehn Mitarbeitende sind dort für die Nationalbank tätig. Den Schritt in die Ferne tat die Nationalbank vor allem, um ihre Anlagen in fernöstlichen Währungen noch besser betreuen zu können. Es ist ihr nun auch möglich, den Devisenmarkt rund um die Uhr zu überwachen.

Arbeiten bei der Nationalbank


Die meisten der knapp 900 Mitarbeitenden der Nationalbank sind an einem der beiden Sitze in Zürich und Bern tätig: Rund 650 Personen arbeiten in Zürich und über 200 in Bern. Der Rest ist auf die Vertretungen und die Niederlassung in Singapur verteilt. Eine typische Nationalbank-Ausbildung gibt es nicht. Die meisten Mitarbeitenden der Nationalbank sind Experten aus den Fachrichtungen Volkswirtschaft, Bank- und Finanzwesen, Informatik und Logistik. Daneben gibt es Vertreter vieler weiterer Berufsrichtungen – das Personal der Nationalbank ist äusserst bunt gemischt.

Die flüssigste Bank der Schweiz


Die Nationalbank kann dank des Notenmonopols nie zahlungsunfähig werden: Sie ist sozusagen an der Geldquelle, sie stellt das gesetzliche Zahlungsmittel her. So verfügt sie immer über die nötigen Mittel, um ihre Verbindlichkeiten in Franken zu begleichen. Ebenfalls dank des Notenmonopols weist die Nationalbank über die Zeit Gewinne aus. Ihr Auftrag ist aber nicht, so viel Gewinn als möglich zu erzielen, sondern die Preisstabilität zu sichern. Um diesen Auftrag auf lange Sicht erfüllen zu können, stärkt die Nationalbank kontinuierlich ihr Eigenkapital. Dafür legt sie – wie im Nationalbankgesetz festgelegt – stets einen Teil ihres Gewinns als Rückstellungen für die Währungsreserven zurück.

Die Nationalbank-Bilanz Ende 2018

Die Nationalbank-Bilanz 2018